7 up – Die sieben DaunTown Künstler im Defacto Art Forum in Lübeck.

So unterschiedlich wie die Arbeitsmethoden und Ansätze der Künstler sind auch die Themen selbst. Das Spektrum reicht von Mythologie über den Schein des Schönen bis hin zur Landschaft und zu Alltagsdiversitäten.

Annie Fischer beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der subtilen Seite unterschiedlicher Materialitäten und deren Wahrnehmung. Sie verwebt Materialien aus dem Baumarkt, die von ihrer Anmutung an Garn erinnern und ihrer zweckgerichteten Funktion enthoben in einen neuen Zusammenhang gebracht werden.

Beate Freier-Bongaertz läßt „Bubbles of journey“ wie gezeichnete Seifenblasen durch den Raum schweben. Gebannt auf Schnittmusterbogen in Stickrahmen. Für die Künstlerin gibt stets das Material den Impuls für ihre Arbeiten.

Susanne Kinski zeigt Landschaften, die als Forschungsreise in die sinnliche Erfahrbarkeit von Materialität und Farbe wahrgenommen werden. Sie collagiert, im Wechsel Farbe und Seidenpapier und modelliert so ihre Landschaften heraus. Es entstehen geometrische Farbfächen, die dem Betrachter suggerieren, den abgebildeten Ort zu kennen.

Wolfgang Meluhn, Donald und Micky. In seinen expressiv und gestisch ausgeführten Malereien stellt Wolfgang Meluhn unprätentiös die Weggefährten der Kindheit dar, mit allen Zufälligkeiten von Beziehungen. Malerei, die passiert.

Matthias Poltrock ist in seiner Architekturmalerei kühl und distanziert. Er zeigt die Sicht der Priviligierten. Poltrock fragt: Was fasziniert uns daran? Der Versuch einer malerischen Annäherung.

Jörg Spätig geht seinem Werk der Sinnesfreude im Abbilden surrealer Denkwelten nach. Dabei wird der künstlerische Arbeitsprozess von Deformation und Konstruktion deutlich. Seine Themen findet Spätig in Mythen und alten Überlieferungen.

Michael Strauß stellt die menschliche Figur in den Mittelpunkt seiner Arbeiten. Gestützt durch Beobachtungen setzt sich Strauß mit dem gesellschaftlichen Blick auseinander. Gleichzeitig ist sein Arbeitsprozess immer auch darauf gerichtet, das Arbeitsmaterial Pappe in seinem bildnerischen Ausdrucksvermögen zu erkunden.

Das Defacto Art Forum in Lübeck, seit einiger Zeit in einer ehemaligen Tankstelle beheimatet, zeigt in seiner Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst von regionalen und internationalen Künstlern in wechselnden Ausstellungen.

Die Kunsttankstelle ist eine Enddeckung für alle Interessierten. In direkter Nachbarschaft zum Holstentor öffnet sich dem Besucher ein Kleinod. Nicht nur die Ausstellungshalle mit dahinter liegendem Skulpturengarten direkt am Wasser lädt zum Verweilen ein. Die ehemaligen Garagen des Geländes wird der Verein künftig zu zwölf Ateliers umbauen. Das aktuelle Programm erfahren Sie unter diesem Link.

Defacto Art Forum – Kunsttankstelle
Wallstraße 3-5
23560 Lübeck
Öffnungszeiten: Do/Fr 15 bis 18 Uhr, Sa/So 11 bis 18 Uhr

Annie Fischer, „Pusteblumen“

Susanne Kinski, „Landschaft“

Wolfgang Meluhn, „Micky im Marta“

Jörg Spätig, „Weisheit“

Matthias Poltrock, „Pool“

Michael Strauß, „Krieger“

Beate Freier-Bongaertz, „Bubbles of journey“

Die Kunsttankstelle in Nachbarschaft zum Holstentor.

Der Skulpturengarten direkt am Wasser.

Der europäische Garten

Unter freiem Himmel – Unbekleidet

24 Variationen – Malereien in den Kolonnaden der  Haller Museumsinsel. Jörg Spätig setzte freie Interpretationen und Variationen aus bekannten Vorbildern und Motiven europäischer Malerei malerisch um.

Wer Spätigs Arbeiten beobachtet, weiß, dass der Bildhauer sich nicht in eine Schublade schieben läßt. Immer wieder arbeitet er spartenübergreifend. Ob mit Möbeln, Skulptur oder Malerei, alles bildet in seinem künstlerischen Schaffen eine Einheit, seine Handschrift ist immer erkennbar.

Seine aktuellen Malereien beschäftigen sich mit dem Nackten in der Kunst – Paradiesische Zustände also. Was könnte da besser passen als die Werke im Garten in den Kolonnaden der Haller Museumsinsel zu zeigen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7.7.2019 im Sigmund Strecker Museum, Halle/Westf., Gartenstrasse 4, zu sehen.

Anne Kaftan spielte zur Eröffnung Klarinette und Saxophon

KUNST+ARBEIT

Zum nun sechsten Mal teilten die Firma Lübbering und Galerist Horst Grabenheinrich ihre Leidenschaft für Kunst mit der Öffentlichkeit. Die Kunstwerke der diesjährigen Ausstellung konnten unterschiedlicher nicht sein – und dennoch hatten sie alle eins gemeinsam: sie stellten den Menschen in den Vordergrund. Dabei setzten die Künstler unterschiedlichste Techniken und Materialien ein. Unter ihnen die DaunTown Künstler Susanne Kinski, Beate Freier-Bongaertz, Matthias Poltrock, Jörg Spätig, Michael Strauß und Wolfgang Meluhn, deren Zeichnungen die Einladungskarte zierten.

Am 23. Februar 2019 wurde gemeinsam mit vielen Kunstinteressierten die Ausstellung eröffnet. Erhalten Sie hier Einblicke in die Vernissage und die Ausstellung.

Susanne Kinski

Michael Strauß

Jörg Spätig

Wolfgang Meluhn im Gespräch vor seiner Malerei

Beate Freier-Bongaertz

Matthias Poltrock

Skulptur für Dissen

Anlässlich der Landesgartenschau in Bad Iburg hatten die Veranstalter im Vorfeld einen internationalen Wettbewerb für Bildhauer ausgeschrieben. Es konnten Ideen zu Skulpturen für sechs Orte im südlichen Osnabrücker Land eingereicht werden. Aus zahlreichen Vorschlägen wurden sechs Gewinner von einer Fachjury ausgewählt. Jörg Spätig ist einer von ihnen.

Sein Werk nimmt Bezug auf Dissen als Lebensmittel-Stadt, speziell die Herstellung von Gewürzen.

Die Skulptur wurde nun im Homann-Park in Dissen, einem kleinen Skulpturenpark gegenüber dem Kunstverein, aufgestellt.

Mehr Arbeiten von Jörg Spätig im Internet: spaetig.de

Lichtung der Bildhauer

Die aktuelle Landesgartenschau in Bad Iburg hatte im Vorfeld einen internationalen Wettbewerb für Bildhauer ausgeschrieben.

Es konnten Ideen zu Skulpturen für sechs Orte im südlichen Osnabrücker Land eingereicht werden. Unter den sechs Gewinnern ist auch Jörg Spätig.
Aktuell können Ihm die Besucher der Landesgartenschau beim Arbeiten auf der Lichtung der Bildhauer zusehen, wie die Skulptur entsteht.
Wer die ganze Figur enträtseln möchte, kann ab dem 20.8.2018 das fertige Kunstwerk im Wald entdecken. Bis zum Ende der Landesgartenschau wird es in Bad Iburg zu sehen sein, danach wechselt die Skulptur an den endgültigen Standort nach Dissen.
Eine kleine Beschreibung gibt es in der Neue Osnabrücker Zeitung
Wegen Waldbrandgefahr in diesem heißen Sommer wurden die einzelnen Elemente in der Werkstatt geschweißt
Montage vor Ort (Foto: Vera Sprengkamp)
(Foto: Vera Sprengkamp)
Jetzt können weitere Ausführungen und Feinarbeiten beginnen

Laika upe – Fluss der Zeit

Kunstsymposium in Lettland

Zurück aus Valmiera vom 4. Kunstsymposium. Elf Künstler, sechs Lettische und fünf Deutsche, waren eingeladen, 10 Tage anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag Lettlands gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.
Das Thema „Flus der Zeit“ wurde an einem Gebäude des Museumsareals „Valmieras Muzejs“ verwirklicht; die Arbeiten sind dort die nächsten 2 Jahre zu besichtigen. Die vielfältigen Interpretationen des Themas zeigen politische, private und ortsbezogene Werke.
Die teilnehmenden Künstler waren: Aivars Benuzs, Edgars Bogdans, Beate Freier-Bongaertz, Antra Galzone, Janis Galzons, Iveta Gudeta, Susanne Kinski,  Ieva Lapina Strazdite, Wolfgang Meluhn, Jörg Spätig und Void.
Vor Beginn des Symposiums fand ein Ideenaustausch per Mail statt, sodass vor Ort gleich mit der Umsetzung der Ideen begonnen werden konnte. Eine große Unterstützung waren dabei die Museumsmitarbeiter, die die Montage der Werke am Haus übernommen haben.
Nach acht Tagen vorbereitender Arbeiten an den Werken in den Räumen der Kunstmittelschule Makslas Vidusskola war es soweit, dass alle Objekte ans Haus angebracht werden konnten. Zwei Tage Montage vor Ort. Danach blieb bis zur offiziellen Eröffnung noch einige Zeit, um Ausstellungs- und Atelierbesuche  bei Kollegen zu unternehmen.
Die DaunTown-Künstler auf dem Weg nach Lettland per Fähre Travemünde – Liepaja.
Jörg Spätig und Susanne Kinski bei der Arbeit.
Ieva Lapina Strazdite und Iveta Gudeta in Ihren Arbeitsräumen, im Vordergrund Ivetas Malerei „Lebensweg“.
Ieva Lapina Strazdite arbeitet an ihrer Malerei „Universum“.
Antra Galzone und Wolfgang Meluhn stehen Janis Galzons mit Ratschlägen zur Seite. Im Vordergrund Antras Arbeit.
Beate Freier-Bongaertz bei der Arbeit an ihren Figuren.
Aivars Benuzs formt aus Wachs Gehirne.
Montagearbeiten am Gebäude auf dem Museumsgelände.
Dr. Silvana Kreyer und die Museumsmitarbeiter bei der Montage der Werke.
Mit vereinten Kräften hängen die Künstler mit den Museumsmitarbeitern die Malerei von Iveta Gudeta auf.
Das Werk „Sonnenuhr“ von Void.
Unter der „Sonnenuhr“ das Werke von Janis Galzons, seine Malerei bezieht sich auf die politische Vergangenheit und Antra Galzone, ihre Malerei zeigt die Familie als Ausgangspunkt für alles Künftige.
Aivars Benuzs hat für seine Installation „Gehirnwäsche“ die Regenrinnen verändert. Wolfgang Meluhn bezieht sich bei seiner Arbeit auf das Haus und lässt Personen in den Fenstern auftauchen, die die tränenreiche Vergangenheit und die aktuelle Normalität zeigen, malerisch gelöst. Jörg Spätigs Interpretation der Wappen-Figuren Löwe und Greif sehen oben aus dem Fenster. Edgars Bogdans Objekt „Satellitenschüssel“ lauscht in die Zukunft und fragt gleichzeitig nach den Ursprüngen.
„Gehirnwäsche“ von Aivars Benuzs
Babylonisches Manifest der teilnehmenden Künstler, gehört und aufgeschrieben von
Wolfgang Meluhn, während die Künstler alle gleichzeitig redeten.
Erinnert an Sprachverwirrungen von Kunsthistorikern anlässlich von Ausstellungseröffnungen.
Wappentiere: Löwe und Greif von Jörg Spätig
Susanne Kinskis Werk greift die Strukturen und Materialien des Hauses auf.
„Mein großer und mein kleiner Weg“ Malerei von Iveta Gudeta und die Figurengruppe von Beate Freier-Bongaertz.
Die Figuren von Beate Freier-Bongaertz zeigen das Regenrohr als „Fluss der Zeit“ durch den jeder auch im Alltag muss. Durchrutschen, aufstehen, weiter gehen.
Besuch bei dem Bildhauer Matiass Jansens in Cesis in seinem Atelier. Dort sind Arbeiten von drei Generationen Bildhauern zu sehen, denn bereits sein Vater und Großvater waren Bildhauer. Mehr über den spannenden Ort und seine Arbeiten kann man im Internet sehen: artsilkes.lv
Ein sehenswertes Projekt ist der Skulpturenpark des Bildhauers Ojars Feldbergs. Seit 1991 arbeitet er selbst an diesem Ort und seit 2007 lädt er jährlich Kollegen aus der ganzen Welt ein, ebenfalls dort zu arbeiten. Die Werke bleiben vor Ort und so entstand im Laufe der Zeit ein Skulpturenpark, der soweit reicht wie das Auge sehen kann. Vier Stunden dauert ein Rundgang durch Felder, Wiesen, Hügel und Täler, um alle 120 Skulpturen zu sehen. Ein unbedingter Stop für jeder Kusttouristen! Mehr Infos über das Open-Air Museum at Pedvale im Internet.

Möbelobjekte der Spätig-Edition

Aktuell zu sehen in der Ausstellung Erkundungen

Um Materialerkundungen in verschiedenen Medien der Kunst geht es in der Ausstellung, die noch bis Freitag 8.6.2018 im ESG in Gütersloh zu sehen ist. Die Möbel von Spätig bewegen sich spielerisch zwischen Gebrauchsgegenstand und künstlerischem Objekt.

„Completing the Circle“

Performativer Eisenguss anlässlich der LangenNachtderKunst
Die Ausstellung von Susanne Roewer und George Beasley im Kunstverein Kreis Gütersloh wurde in der LangenNachtderKunst in Gütersloh ergänzt durch „Completing the Circle“, einen performativen Eisenguss.
Wie in der modernen Arbeitswelt fanden sich zur Realisierung dieses außergewöhnlichen Projekts Spezialisten aus aller Welt zusammen. George Beasley (USA) und Susanne Roewer (D) arbeiten mit Eden Jolly (UK), Andreas und Lukas Glaser (Schweiz) sowie Morgan Lugo (USA/ Puerto Rico) zusammen. Spontan wurde auch Jörg Spätig zur Mithilfe eingeladen und konnte an dem Ereignis teilhaben.
Ein erhöht in der Mitte eines Arbeitskreises befindlicher Hochofen gab den Zeittakt für das Abarbeiten spannender bildhauerischer Aufgaben und Experimente im Uhrzeigersinn vor. Choreografie, Expertise, Kooperation und Mut der Arbeitsgruppe sorgten für ein feuriges Ergebnis.
Hier ein fotografisch festgehaltener Eindruck des performativen Eisengusses von Gerhard Haug.
Die sehenswerte Ausstellung von Susanne Roewer und George Beasley läuft noch bis zum 27.5.2018 im Kunstverein Kreis Gütersloh.
Die internationalen, am Eisenguss beteiligten Künstler sind ebenfalls mit jeweils einer Arbeit in der Ausstellung vertreten.
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug
Foto: Gerhard Haug

Kunstfreund – Kunstfreunde – Kunstfreude

60 Jahre Kunst – eine Sammlung
Horst Grabenheinrich ist ein echter Kunstfreund. Seit 60 Jahren vergeht bei ihm kein Tag ohne Kunst. Zu Beginn als Sammler, dann als Galerist und nun als Kunstberater. In einer großen Ausstellung zeigt er jetzt Kunstwerke aus seiner Sammlung und Werke von Künstlern, mit denen er bis heute zusammenarbeitet.
60 Jahre Kunst – eine Sammlung und wir sind dabei! Unter den rund 200 Werken sind auch Arbeiten von Beate Freier-Bongaertz, Wolfgang Meluhn, Matthias Poltrock und Jörg Spätig zu finden.
Nicht nur die Vielfalt der Techniken ist sehenswert, von Malerei, Aquarell, Zeichnung über Grafik bis hin zu Skulpturen, sondern auch ein zeitgeschichtlicher Zusammenhang wird deutlich; einmal durch die Art der Darstellung und der Wahl der Materialien und zum Anderen durch den Inhalt des Dargestellten. Grafische, darstellende und politische Werke sind in dieser Ausstellung zu sehen.
Gehen Sie in dieser Ausstellung auf Entdeckungsreise.
Den Katalog zur Ausstellung können Sie hier als PDF herunterladen.
Die Ausstellung läuft bis zum 20.4.2018
Finissage: Freitag, 20. April 2018 ab 18.00 Uhr, es ist keine Anmeldung erforderlich.
Ort: Johannes Lübbering GmbH, Industriestraße 4
33442 Herzebrock Clarholz
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 10.00 – 17.00 Uhr und nach Vereinbarung, Sa – So: nach Vereinbarung Tel. 05245 8309-153
Skulptur von Jörg Spätig, Ausschnitt
Zeichnung von Beate Freier-Bongaertz, Ausschnitt
Malerei von Wolfgang Meluhn, Ausschnitt
Malerei von Matthias Poltrock, Ausschnitt

Vom Reiten des Bullen oder der absurde Versuch des Verstehens 

Kunst im Turm zeigt Werke von Jörg Spätig bis zum 27. September 2017.
Hier um den Eindruck zur Ausstellung abzurunden, die Eröffnungsrede von Volker Idelberger.

Vom Reiten des Bullen oder der absurde Versuch des Verstehens
So hat Jörg Spätig seine Ausstellung betitelt.

Beim Bullenreiten sind wir auf einem Rodeo: Der Bulle in seiner Box. Der Reiter besteigt ihn und hält sich an einem Seil fest. Die Box wird geöffnet, der Bulle jagt los und versucht den Reiter abzuwerfen. 8 Sekunden muss der sich auf dem Bullen halten, dann kommt er in die Wertung. Ähnlichkeiten des Bullenreitens auf einem solchen Event mit hier gezeigten Plastiken wäre übrigens rein zufällig.
Aber wie absurd es ist zu versuchen, den Bullen zu einem Reittier zu machen und dabei Kopf und Kragen zu riskieren.
Es ist: unsinnig – aberwitzig – bescheuert – hirnverbrannt – irrational – irre – irrsinnig – irrwitzig – ohne Sinn und Verstand

Bei Jörg Spätig ist aber schon allein der Versuch des Verstehens absurd. Meint: Das Objekt der Verständnissuche ist so absurd, dass man selbst den Versuch des Verstehens unverzüglich in die Tonne treten sollte. Es gibt nichts zu verstehen.

Ich stell mir den guten Jörg vor, wie er in seinem Atelier von seiner Arbeit einen Schritt zurück tritt und sich fragt: Was soll der ganze Scheiß, was mache ich hier? Er wird sich eine Zigarette drehen, vor sein Atelier treten, sie anstecken und, obwohl er aufhören wollte zu rauchen, einen tiefen Zug inhalieren.
Die Sinnfrage hat sich wieder mal in seine Gedärme geschlichen. Aber er kennt sie, er lebt schon sein ganzes Künstlerleben mit ihr. Deshalb wird er jetzt auch die Zigarette austreten und weiter arbeiten.

Solche Sinnkrisen kennt wohl jeder. Und wie Jörg stehen wir mit der Sinnfrage und der Erkenntnis der Absurdität der Existenz und damit des eigenen Tuns in erlauchter Gesellschaft:
Beckett, André Breton, Friedrich Dürrenmatt, Nikolai Wassiljewitsch Gogol, Martin Heidegger, Wolfgang Hildesheimer, Eugen Ionesco, Karl Jaspers, Söhren Kierkegaard, Sartre, Bunuel oder Albert Camus, bei dem das absurde ein zentraler Punkt seiner Philosophie ist. Er sieht darin die Erkenntnis eines Menschen, dass Leid und Elend in der Welt keinen Sinn haben, dass jede Sinngebung andererseits bedeutet, vor dem Leid in der Welt die Augen zu verschließen.

Über „Der Mythos des Sisyphos“ von Camus musste Jörg als Schüler mal ein Referat halten. Die Arbeit daran scheint Spuren hinterlassen zu haben.

Und dazu auch noch zwei Zitate:

„Das absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.“ Albert Camus

„Das absurde, mit Geschmack dargestellt, erregt Widerwillen und Bewunderung.“
Johann Wolfgang von Goethe

In diesen Kontext des Absurden gehört auch: Dadaismus, Surrealismus, Existenzphilosophie und Existenzialismus.

Die Gewohnheit des Verstandes ist Sinngebung. Wenn selbst die Religion, spätestens seit dem von Nietzsche verkündeten Tod Gottes, bei der Sinngebung versagt, was bleibt uns?

Da fragen wir mal Herrn Lindner von der F.D.P. und der sagt: der Markt. Etwas bringt Geld, also ist es sinnvoll. Ob Bullenreiten oder sonstiger Irrsinn.

Und die Kunst? Auf Auktionen erzielen Hurst, Richter und andere Großkünstler regelmäßig zig Millionen. Das hat nichts mehr mit dem Wert des Werkes zu tun, es ist reine Spekulation. Es ist absurd.

Rüdiger K. Wenig, kennen Sie wahrscheinlich nicht, ein Kunsthändler, der sich selbst als ersten börsennotierten Kunsthändler bezeichnet, hat folgendes gesagt: „Rote Bilder verkaufen sich besser als braune. Blau ist auch keine schlechte Farbe. Genauso sollte man sich als Händler überlegen, wer seine Zielkunden sind. Moderne Kunst wird zu 90 % von Männern gekauft, meistens sind sie auch nicht mehr ganz jung. Daraus folgt: Gemälde mit jungen Frauen verkaufen sich besonders gut.“

Ich kann nur sagen: zum Glück gibt es noch Künstler wie Jörg Spätig, die dem pervertierten Kunstmarkt entspannt die Zunge rausstrecken.

Die Werke sind bis zum 27. September 2017 in Lippstadt, Kunst im Turm, Von-Tresckow-Str. 31 zu sehen. Öffnungszeiten: Mi. und Sa. 16 bis 19 Uhr, So. 11 bis 16 Uhr